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Was ist meine Aufgabe?


Im Sommer 2006 machte mein Mann ein Foto von mir. Darauf schaue ich suchend und fragend in die Höhe. Eigentlich sitze ich in einer Riesenvoliere im Schloss Trauttmansdorff in Südtirol und schaue den Papageien in der Kuppel zu. Als ich das Foto sah, zeigte es mir etwas ganz anderes. Viele unerwartete Dinge kamen damals in mein Leben und ich fing an zu hinterfragen. Ich konnte bereits auf Siege und Trophäen zurückblicken, auf eine langjährige Ehe und zwei großartige Kinder. Vieles, was ich erreichen wollte, hatte sich erfüllt. Aber tief aus meinem Inneren drang eine dringliche Frage nach draußen "Was ist meine Aufgabe?" Wenn ich dachte zu wissen, sich aber das, was ich zu wissen dachte, in Unwissenheit auflöste, und stattdessen eine Frage erschien, kamen Antworten zu mir. Ich fasste sie in Worte. Vor ein paar Tagen fand ich folgende Zeilen. Sie fühlen sich für mich wahr an. Die Pflicht ist erfüllt, nun kommt die Kür. Wie die aussieht? Keine Ahnung. Ich höre nicht auf zu fragen, bis ich dort bin, wo ich mich wie ein Puzzleteil hineinschmiege.


Du magst tun was du willst,
magst hunderte von Plänen verwirklichen,
magst ohne Unterbrechung tätig sein,
wenn du aber diese eine Aufgabe nicht erfüllst,
wird alle deine Zeit vergeudet sein.


Rumi (1207 - 1273), persischer Mystiker und Dichter, Begründer des Sufismus

 

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Chance - Falle - Scheinriese?

Blogbeitrag vom 22. Oktober 2013  "Chance - Falle - Scheinriese?"

Vor einigen Tagen fand ich in meinem Posteingang die Anfrage eines Verlages. Sie wären auf mich aufmerksam geworden, ob ich autobiografische Aufzeichnungen hätte, die ich bei ihnen verlegen möchte. Für einen kurzen Augenblick fühlte ich mich geehrt. Ich kenne die Geschichte nur andersherum. Autoren, die mit ihrem Manuskript Verlage abklappern. Der Augenblick des Geschmeicheltfühlens war, wie gesagt, nur von kurzer Dauer, dann fiel mir ein, was ich über mich und meinen Lebensverlauf gelernt hatte.

Es gab zwei Dinge, die mich in meinem bisherigen Leben anspornten.

Einschätzungen anderer über mich, die mir etwas nicht zutrauten oder Einschätzungen anderer über mich, die mir etwas zutrauten. Beides führte mich weit weg von mir.

Als Kind und Jugendliche war es die Meinung anderer, dass ich etwas nicht kann, die mich dazu brachte über meine Grenzen hinauszugehen.
"Du kannst das nicht, weil du ein Mädchen bist", hörte ich von meinen beiden Brüdern. Diese Worte forderten mich dazu heraus ein besserer Junge zu werden. Ich lernte meinen Körper zu beherrschen, kletterte auf die höchsten Bäume und schluckte zur Mutprobe einen Regenwurm. Ich wollte kein Mädchen sein.
"Du kannst das nicht, weil du dafür viel zu egoistisch bist", war die Meinung meiner Mutter über mich. Daraus entwickelte ich eine Übersensibilität für den Gemütszustand anderer und pflegte schwerkranke Menschen. Ich wollte kein Egoist sein.
"Das traust du dich nicht, weil das viel zu gefährlich ist", war die Meinung von Freunden, wenn es um Entscheidungen und das Durchsetzen von Projekten ging. Ich trampte alleine nach Griechenland, übernachtete auf dem Krater eines aktiven Vulkans und lernte einen Drachen zu fliegen. Ich wollte kein Feigling sein.

Im Erwachsenenalter war es die Meinung anderer, dass ich etwas kann.
"Ich sehe da ganz viel Potenzial", diese Worte schmeichelten mir und ich wollte dem entsprechen, was in mir gesehen wurde. Ich machte meinen schwarzen Gürtel in Karate, begann und beendete diverse Ausbildungen, eröffnete eine Praxis. Ich wollte eine gute Karateka, eine gute Schülerin, eine gute Therapeutin sein.
Was auch immer in mir gesehen oder nicht gesehen wurde und was auch immer ich daraus entwickelte, es fehlte die alles entscheidende Frage "Will ich das? Will ich das tun, will ich das sein? Bin ich das?"

Heute weiß ich, dass ich immer nur als Spiegel für die Projektionen anderer gedient habe.
Dass meine Brüder in mir das Schwache gesehen haben, das sie zu diesem Zeitpunkt ignorieren, ablehnen mussten. Dass meine Mutter in mir ihre eigene Selbstbezogenheit gesehen hat, so wie ich meinen Freunden ihre Ängste spiegelte. Hat mich all das, was sie auf mich geworfen haben wie auf eine Leinwand und was ich aufgenommen habe um es wieder loszuwerden, stark gemacht?
Die Lehrer, die ich mir im fortgeschrittenen Alter gesucht habe und die etwas in mir gesehen haben, was sie selbst gerne umgesetzt hätten, die in mir eine Verlängerung, eine Erweiterung, eine Selbstbestätigung gesehen haben, haben sie mich weitergebracht?
Ja, jeder einzelne von ihnen hat mir etwas gegeben, was mir geholfen hat mich selbst zu erweitern.
Nun fühle ich mich stark und erweitert genug.

Und jetzt? Was will ich? Was ist es, was ich jetzt will? Das ist es, was ich mich frage.
Ich weiß es nicht.
Ich habe so oft in meinem Leben Dinge angestrebt, von denen ich dachte sie zu wollen, dass ich nicht mehr weiß, was ich wirklich will. Will ich dieses Buch schreiben? Ich weiß es nicht.
Da sind zwei Stimmen in mir. Die eine, eine altbekannte vertraute sagt "Yeah, boah, das ist DIE Chance, verpass sie nicht, mach, los mach, zöger nicht so lange rum. Zu allem anderen, was du bisher gemacht hast, kannst du dann auch noch ein Buch nennen". Die andere, eine relativ neue gelassenere sagt "Immer mit der Ruhe, es kann eine Chance sein oder die nächste Falle. Brauchst du die nächste Trophäe in deinem Regal? Was denkst du, was es bringt? Was willst du erreichen? Überlege es dir gut."

Ich war immer besser darin zu wissen, was ich nicht will und ich bin müde mich zu beweisen in Dingen, die man mir nicht zutraut, so wie ich müde bin Dinge zu erfüllen, die man mir zutraut. Was will ich? Was will ich wirklich? Alles, was ich jemals voll und ganz für mich wollte, war Freiheit.

Und ich habe das Gefühl, dass ich den Weg noch einmal in die umgekehrte Richtung gehen muss.

Dass es darum geht mich meinen tiefsten Ängsten zu stellen, dass ich immer wieder auf mich selbst Bezug nehmen soll, um mich in all meiner Schwäche zu akzeptieren. Damit ich leben kann, was ich wirklich bin. Wirkliche Freiheit bedeutet frei zu sein von Ängsten.....
Warum ergieße ich mich hier so?
Ob ihr es glaubt oder nicht, ich stelle mich damit einer meiner größten Ängste, der Angst mich zu verlautbaren. "Je mehr ich mich offenbare, desto angreifbarer mache ich mich", das ist, was ich aufgenommen und verinnerlicht habe. Stimmt das? Oder sind Ängste oft lediglich Zerrbilder, Scheinriesen? Erinnert ihr euch an Herrn Tur Tur, der kleiner wurde, je näher Jim Knopf ihm kam?

Ich nähere mich meinen Herrn Tur Turs und schaue, was passiert ......

 

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Lob und Tadel

Blogbeitrag vom 09. Dezember 2012 "Lob und Tadel"


Meine Freundin Julia kam kürzlich von einem Seminar zurück mit der Behauptung, dass "sich erklären" nicht integer sei. Da ich ein Gefühlsempiriker bin, kann ich Dinge, die ich nicht selber "durchfühlt" habe, zwar stehen lassen, aber nicht annehmen. Ich brauche ein gefühltes Wissen zu Behauptungen, sonst bleiben sie in ihrer Bedeutung leer für mich.
Und so gibt mir das Leben immer wieder Gelegenheiten mein eigenes Wissen zu erweitern.

Als ich am Samstag in eine Diskussion um Sinn- und Zweckhaftigkeit bestimmten Tuns geriet, glitt ich selber in eine Erklärungshaltung, warum ich bestimmte Dinge gerade nicht mache. Ich bemerkte meine Haltung, konnte jedoch nicht aufhören, bis ich meine Erklärung zu Ende gebracht hatte. So verhält es sich in letzter Zeit immer öfter. Ich bemerke, dass meine Aktion oder Reaktion ziemlich daneben ist und führe sie zu Ende, weil ich zum Schluss erkennen kann, was meine wahren Beweggründe sind.
In diesem Fall war es das Bedürfnis nach Bestätigung.
Obwohl ich davon ausgehen konnte, dass mein Gegenüber kein Verständnis dafür hat, dass ich bestimmte Dinge gerade nicht mache, wollte ich von ihm hören, dass es in Ordnung ist.

Und mir wurde klar, dass wir sehr oft in dieses kindliche Verhalten rutschen und von einem anderen hören möchten, dass unser Verhalten völlig okay ist, wenn auch absolut unverständlich. Es braucht viel innere Stärke Dinge zu tun, die sich aus einem Selbst heraus richtig anfühlen, von der Umgebung jedoch mit Unverständnis, vielleicht sogar Ablehnung, quittiert werden.
"Bin ich richtig? Mache ich das richtige? Kann es wirklich richtig sein, nur weil es sich für mich richtig anfühlt und für keinen anderen sonst?"
Wir haben gelernt auf Lob zu reagieren, genau so wie auf Tadel. Lob und Verständnis bringen uns vorwärts, Tadel oder Unverständnis blockieren uns.
Daraus gilt es hervorzutreten. Und dafür braucht es Selbstvertrauen, Vertrauen in das, was sich in mir richtig anfühlt und wenn auch nur in mir und in keinem anderen sonst.
Auf Bestätigung verzichten zu können heißt sich seiner selbst sicher zu sein. Selbstsicherheit ist ein Aspekt der persönlichen Integrität.
"Ich bin mir sicher", das bedeutet in sich sicher und geborgen zu sein, Zweifel ist der Sturm, der uns manchmal beutelt, ist unsere Basis stabil, bleiben wir standhaft.

Als ich vor Jahren begann Kampfkunst zu praktizieren, war ich irgendwann frustriert, da mich mein Trainer weder lobte noch kritisierte. Ich wusste nicht wo ich stand.
Da fiel mir bei einem Freund das Büchlein "Krieger des Lichts" von Paolo Coelho in die Hände und ich fand die richtige Passage. Da stand: Ein Krieger des Lichts braucht weder Lob noch Tadel, denn beides bringt ihn von seinem Weg ab.
Und da verstand ich, dass ein anderer nicht darüber urteilen kann, ob du etwas gut oder schlecht machst. Du machst es, wie es für dich eben möglich ist. Alles, was du tust, tust du für dich. Deswegen bedarf es auch keiner Bestätigung. Du alleine kannst für dich beurteilen, ob das, was du tust, für dich gut ist. Meine Kata kann den einen berühren und den anderen nicht. Das ist unwichtig. Alles was zählt ist, wie ich mich dabei fühle. Das gilt auch fürs Leben. Wichtig ist, wie du dich bei dem fühlst, was du tust. Wichtig ist, die Motivation für das, was wir tun, aus uns selbst zu holen. Dann werden wir unabhängig. Und ehrlich.

 

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Integrität

Blogbeitrag vom 03. Dezember 2012  "Integrität"


Die Themen, die zur Zeit beschäftigen, sind Neutralität und Akzeptanz.
Akzeptanz bedeutet die Dinge so zu nehmen, wie sie sind. Wenn wir aufhören in gut und böse einzuteilen, in richtig und falsch zu werten, wenn wir die Dinge stehen lassen können wie sie sind ohne ständig irgendwas oder irgendwen verändern zu wollen, kommen wir in die Neutralität. Alles hat einen Wert, denn es gibt nur Erfahrung und mit Neutralität werden die Dinge gleich wertig. Wir müssen den Schmerz nicht mehr verdammen und das Glück nicht mehr lobpreisen. Es ist gut, so wie es ist.
Je mehr wir wegkommen von Werturteilen, desto mehr können wir bei uns bleiben. Wenn alles gleichwertig ist und alles gut so wie es ist, was gibt es dann noch zu tun? Das, was es für jeden einzelnen von uns zu tun gibt - sich selber treu zu bleiben. Das ist Integrität. Neutralität bedeutet  nicht die Hände im Schoß zu falten und abzuwarten wie sich alles entwickelt. Es geht nicht darum passiv zu werden. Es gilt alles loszulassen, von dem wir dachten es tun zu müssen. Dieses Loslassen ist wie ein Erlischen und kann in einer sinnentleerten Leere münden, die uns oft in Desorientierung zurücklässt, da alles, was bisher gültig war, seine Gültigkeit verliert. Ist alles in uns erloschen, für das wir einmal gebrannt haben oder dachten brennen zu müssen, darf das aufflackern, was schon lange tief in uns glimmt und nur darauf wartet zum Aufleuchten gebracht zu werden. Das gilt es zu hüten. Dem gilt es treu zu bleiben. Denn wir sind hier um das Leben zu lieben und die Liebe  zu leben. Nicht mehr und nicht weniger.

Integrität bedeutet dir selber zu vertrauen und dein eigener Lehrer sowie dein Schüler zu sein.
Integrität bedeutet auf Lehrer aus dem Außen zu verzichten, durch die du dich selber zum Schüler ohne inneren Meister degradierst.
Integrität bedeutet dein eigener Meister zu sein, denn dann bist du frei von äußerlichen Manipulationen und jede andere Meinung, die dich etwas lehren will, ist Manipulation, da sie dir eine Richtung vorweist.
Du kannst dir von anderen Motivation und Inspiration holen, selten jedoch Antworten auf deine innersten Fragen.
Nur du kannst herausfinden, was für dich passt und was du tun musst, um dir selber treu zu sein.
Treue sich selber gegenüber kann auch bedeuten, sich für Schwächere einzusetzen. In der U-Bahn oder woanders.
Es kommt auf den Impuls an, der aus deinem Inneren kommt.
Sagt er "Geh" dann geh, sagt er "Stop" dann halte ein.
Nichts muss getan werden, es kann getan werden, wenn du es tun willst.
Das ist alles.
Höre auf dich und hör auf auf andere zu hören.
Der Meister ist in dir, nirgendwo sonst.
Ein Meister ist respektvoll, aber nicht gefällig.
Gefälligkeit ist das, was uns letztendlich zu Fall bringt.
Bleibe aufrichtig, in deiner inneren sowie in deiner äußeren Haltung.
Manchmal bereuen wir, dass wir etwas getan oder dass wir vermieden haben etwas zu tun.
Integrität bedeutet auch die volle Verantwortung für die Konsequenzen zu übernehmen, die sich aus unserer Entscheidung zum Handeln oder zum Nicht-Handeln ergeben.
Integrität bedeutet: Ich stehe voll und ganz zu mir.
Höre dir zu.
Manchmal müssen wir dafür in die Stille gehen, weil der Lärm um uns herum so laut ist,
dass wir unsere leise innere Stimme nicht mehr hören und sie ist der wahre Wegweiser.

 

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Verraten

Blogbeitrag vom 01. November 2013  "Verraten"


Es gibt im Leben eine wichtige Weichenstellung.

Entweder du verrätst dich, täuscht und bleibst den anderen treu.
Oder du bleibst dir selbst treu, verrätst dich, indem du dich zeigst und enttäuscht.

Enttäuschung ist ein Geschenk, sie führt zur Wahrheit.

 

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Alle Fotos und Texte dieser Seite und meines Blogs wurden aus meinem Blickwinkel festgehalten und verfasst. Eine Verwendung von Texten bitte nur mit Angabe der Quelle.

 

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