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Interessante Köpfe

Auf dieser Seite möchte ich Menschen, ihre Sichtweisen, Erkenntnisse und Projekte vorstellen. Die Auswahl ist natürlich subjektiv, da ein jeder von ihnen etwas hat, denkt oder macht, was mich persönlich interessiert, mich Menschen, Verhaltensweisen oder Zustände besser verstehen lässt.

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Ich bin offen und dankbar für Anregungen, die mein Blickfeld und damit mich selbst erweitern.

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Hinweis

Für mehr Übersichtlichkeit habe ich auf dieser Seite weiterführende Links aus meinen ursprünglichen Beiträgen entfernt. Möchten Sie mehr erfahren, klicken Sie bitte auf die Blogbeiträge.

Sie finden hier Gedanken zu:

  • Franz Ruppert - Die Wahrheit bringt den Wahn zum Verschwinden
  • John Welwood - Verfechter von bedingungsloser Präsenz und bewussten Beziehungen
  • Kelly Flanagan - bekennender Ehemann und Familienvater
  • Robert Gwisdek - Erschaffer aus radikalem Nichtstun und Vertreter einer Generation, die Depression und Burn-out als ihre Pflicht zur generationsübergreifenden Regeneration ansieht
  • Christiane und Alexander Sautter - therapeutische Friedensstifter aus Überzeugung

 

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Franz Ruppert

Franz Ruppert ist Professor für Psychologie an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München und psychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis. Seit 1994 arbeitet er mit Familien- und Organisationsaufstellungen in Gruppen, seit 1999 führt er Fortbildungen für Aufsteller durch. Für "Laien" gibt er in seiner Münchner Praxis offene Abende, außerdem hält er 2- oder 3-Tagesseminare, in denen man sein "Anliegen" stellen lassen kann. Er ist Autor zahlreicher Bücher, die in verschiedene Sprachen übersetzt wurden und hält Seminare im Ausland.

In seinem Buch "Trauma, Bindung und Familienstellen" enden die letzten beiden Seiten unter der Überschrift "Ausblick" mit folgenden Worten:

...
Die gesellschaftlich akzeptierten Theorien über "psychische Krankheiten" und ihr praktischer Umgang damit sind meines Erachtens ein Gradmesser für die Offenheit, mit der die Menschen in einer Gesellschaft sich selbst und anderen gegenübertreten können. Derzeit werden die Probleme an vielen Stellen noch zugedeckt und verschleiert. Selbst in Psychotherapien bestehen oft große Hemmungen, sich mit den traumatischen Lebensereignissen der Patienten zu befassen und familiäre Realitäten ans Licht zu bringen. Einerseits müssen erst neue Hilfestellungenn sichtbar werden, aus Traumatisierungen und Bindungsverstrickungen, die sich über Generationen angehäuft haben, herauswachsen zu können, damit sich die Bereitschaft verstärkt, den Traumata ins Auge zu blicken. Andererseits müssen die professionellen Helfergruppen selbst die Erfahrung machen, dass sie ihre eigenen Traumata besser bewältigen können als bisher, damit sie auch ihren Klienten und Patienten diese Art von Hilfe empfehlen oder angedeihen lassen können.
In mir wächst durch die Erfahrung mit psychisch schwer erkrankten Patienten immer mehr die Überzeugung: Wenn alle Menschen, ob Opfer oder Täter, über das sprechen würden, was ihnen jetzt noch unsagbar erscheint, und offen dafür wären, dass all das ans Licht kommen darf, was sie zu Tätern oder Opfern hat werden lassen, wäre die Psychiatrie in ihrer heutigen Form bald überflüssig. Und wenn es Eltern gelänge, sich ihre eigenen Traumata und Verstrickungen anzusehen und aufzulösen, wäre das die beste Therapie für ihre oft sehr belasteten Kinder. Es wäre zuleich die wirkungsvollste Präventionsmaßnahme, um der Angst, dem Hass, der Verzweiflung, der Verwirrung und der Gewalt in der nächsten Generation den Nährboden zu entziehen.
Die gemeinsame und öffentliche Beschäftigung mit den Ursachen psychischer Verletzungen und seelischer Verstrickungen und ihren generationsübergreifenden Nachwirkungen in Gruppen veränderungsbereiter Menschen kann ein neues Bewusstsein schaffen für das Zusammenleben von Männern und Frauen, Eltern und Kindern und den Menschen in einer Gesellschaft. Denn, was wir heute tun, kann noch in 100 Jahren Wirkungen haben - wir tragen dafür die Verantwortung im Guten wie im Schlechten. Wir sollten uns den Polaritäten von Mann und Frau, Täter und Opfer, Macht und Ohnmacht gemeinsam neu stellen, um neue Lösungen zu finden. Ein Herz für die Täter zu haben, hilft den Opfern. Die Ohnmacht anzuerkennen, macht offen für Hilfe. Die Wahrheit bringt den Wahn zum Verschwinden. Die Liebe heilt die seelischen Wunden. Heilung geschieht, wenn wir mit Liebe die Seelen von Menschen berühren.

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John Welwood

John Welwood ist klinischer Psychologe, Psychotherapeut, Lehrer und Autor.
Er war mit einer der ersten, der psychologische Erkenntnisse mit spirituellen Lehren verknüpfte.

Auszug aus einem Interview zum Thema "Eros, Sex und die Regeneration der Welt":

Auf eine persönliche Weise echt intim miteinander zu sein, hat bis vor Kurzem nie zum Ideal einer Ehe gehört. Tatsächlich haben es die meisten Paare während der ganzen Geschichte geschafft, ihr Leben miteinander zu leben, ohne persönliche Gespräche darüber zu führen, was in ihnen und zwischen ihnen vor sich geht.

Solange Familie und Gesellschaft die Regeln und Rollen der Ehe vorschrieben, mussten die Einzelnen auf diesem Gebiet nie viel Bewusstsein entwickeln. Obwohl die Ehe oft als heilig betrachtet wurde, war sie doch nie persönlich.

Sich der Geliebten persönlich zu offenbaren – statt sich nur in ein schönes Gesicht zu verlieben –, dies ist in der Geschichte etwas ziemlich Neues.

Und was ist der Grund, weshalb Beziehungen heute so schwierig sind?

Es gibt nicht den geringsten Grund, weshalb wir wissen sollten, wie man eine bewusste intime Beziehung mit einem anderen Menschen haben kann, weil es noch nie zuvor gemacht wurde! Wir haben keine Geschichte, keine Anleitung, keine Modelle. Unsere Familien und Schulen haben uns nie etwas hierüber beigebracht. Wir sind die Pioniere einer ganz neuen Möglichkeit.

Es folgt eine Passage über das "Sich den inneren Drachen stellen" und "aus dem Seelenkäfig ausbrechen".

Dann müssen wir also wirklich mutig sein, um diese Arbeit an uns selbst zu machen. Dann werden nicht nur wir blühen, sondern auch unsere Beziehungen.

Ja. Und wenn Paare diese Arbeit zusammen machen, könnte das unserer ganzen Welt helfen zu blühen. Dies ist der Punkt, wo wir anfangen können, unsere Welt zu regenerieren – zwischen einem Menschen und einem anderen. Wie können wir hoffen, eine bessere Welt zu schaffen, wenn wir nicht einmal mit unserem Partner in einer persönlichen Beziehung sein können? Bewusste Beziehungen können ein Mittel sein, die Seele in unserer Kultur zu regenerieren, Gemeinschaft und Heiligkeit im täglichen Leben wiederzuentdecken. Dadurch, dass wir lernen, aufrichtig zu reden und einem Menschen respektvoll zuzuhören, fangen wir an, echte Begegnung und echtes Gespräch zu üben und zu praktizieren – was genau das ist, was unsere Welt auf der kollektiven Ebene am meisten braucht.

Können Sie mehr über diese umfassendere und größere soziale Bedeutung bewusster Beziehung sagen?

Bewusste Liebe könnte eine wichtige Rolle bei der Regeneration des Planeten und dem Erwachen der Menschheit aus ihrer kollektiven Trance spielen. Wenn zwei Partner sich dem Wachstum von Bewusstheit und Geist ineinander widmen, werden sie ihre Liebe natürlicher Weise mit anderen teilen wollen.

Wenn zwei Liebende ihr Herz aufbrechen und durch ihre Beziehung größere Seelentiefe empfinden, erleben sie auch die Seelenlosigkeit der modernen Welt stärker. Hier können sie als Paar dieser Welt etwas zurückgeben: indem sie ihr Herz und ihre Seele, die sie ineinander zum Brennen bringen, zu allen Wesen ausweiten. Sie könnten damit anfangen, dass sie ihr Zuhause zu einer heiligen Umgebung machen, die tieferen Potentiale in ihren Kindern nähren oder eine Gemeinschaft liebevoller Freunde pflegen. Sie könnten weiter gehen, indem sie mehr Menschlichkeit in die Weise bringen, wie sie im Alltag mit Menschen umgehen; indem sie anderen helfen, von der Betäubung und der Seelenlosigkeit aufzuwachen, die im Begriff ist, die Welt ganz zu ergreifen; indem sie für den Platz auf der Erde sorgen, den sie bewohnen; indem sie sich von äußeren Einflüssen, die die Seele entleeren, wie Fernsehen, abwenden und mehr Zeit mit echtem Gespräch, mit Meditation, spiritueller Übung oder Kreativität verbringen oder indem sie ihr Leben der Aufgabe widmen, den Kräften des Erwachens und der Erneuerung in unserer Gesellschaft im Ganzen zu dienen.

Dies sind nur ein paar der zahllosen Möglichkeiten, wie Liebende anfangen könnten, ihre Vision und ihre Liebe auszudehnen und ausstrahlen zu lassen. Mit anderen teilen, was sie entdecken, wenn sie ihre eigenen inneren Teilungen heilen, ist das größte Geschenk, das sie unserer gebrochenen Welt bieten könnten.

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Kelly Flanagan

Blogbeitrag vom 3. November 2014 "Ein liebevolles Porträt für die Ehe"

Vor 9 Jahren brachte mir mein Mann von einem Messeausflug ein Buch als Geschenk mit. Ein Angestellter des Messekunden las es auf der Heimfahrt im Zug. Der Titel gefiel ihm und er erstand es für mich - oder für uns? -  in der Bahnhofsbuchhandlung. Es war das Buch "Liebe dich selbst und es ist egal, wen du heiratest" von Eva-Maria Zurhorst. Ein Augen- oder vielleicht auch Herzöffner. Ein Plädoyer FÜR die Ehe. Es erwischte mich genau zum richtigen Zeitpunkt. Beginn der Wechseljahre, Midlifecrisis, Dramaerschöpfungssymptome, Zweifel allerorten. Um mich herum knirschte und krachte es in den Ehen. Ich befand mich in der Zeit, die ein Freund so beschrieb "Da werden die Karten noch einmal völlig neu gemischt". Meine Seele glich einer Wüste und wer war Schuld daran? Selbstverständlich alle anderen, nur nicht ich.
Das Buch von Frau Zurhorst war der erste Schritt in eine Zeit, in der ich sehr viel über mich, meine Sichtweise, meine Muster lernte. Ausgelernt habe ich noch nicht, aber unsere Ehe besteht und nach einer langen, schwelenden Krise befinden wir uns in ruhigerem, liebevollem Gewässer. Danke S.A., dass du damals dieses Buch gelesen hast!
Als mir heute eine Freundin den Link zu einem Blogbeitrag über "9 unterschätzte Gefahren für eine Ehe" schickte, fühlte ich mich tief berührt. Zu finden sind sie im Blog von Kelly Flanagan. Die deutsche Übersetzung gibt es in der Huffington Post.
Ich erlaube mir sie hierher zu kopieren. Für mich sind diese Zeilen wunderschön, ehrlich und wahr. Geschrieben von einem Therapeuten aus dem Herzen eines Ehemannes und Familienvaters.

9 total unterschätzte Gefahren für eine Ehe

Ich habe Mitleid mit ehelicher Kommunikation, denn ihr wird die Schuld an allem gegeben. Seit Generationen haben Paare die eheliche Kommunikation als das Problem Nummer eins in ihrer Ehe angegeben. In einer Umfrage nach der anderen. Doch das ist sie nicht.

Kommunikation in der Ehe hat einen schlechten Ruf. Sie ist das Kind, das sich auf dem Spielplatz wehrt. Die Aufpasser auf dem Spielplatz hören den Tumult und drehen ihre Köpfe genau im richtigen Moment, um seinen Gegenschlag zu sehen. Doch das Kind hat das Problem nicht geschaffen. Es hat auf das Problem reagiert. Trotzdem ist es dieses Kind, das erwischt und ins Büro des Schuldirektors gebracht wird.

Oder, im Fall der ehelichen Kommunikation, ins Büro des Therapeuten.

Ich habe Mitleid mit ehelicher Kommunikation, weil alle sich gegen sie verbünden. Obwohl sie auf dem Spielplatz der Ehe in Wahrheit nur auf einen der Störenfriede reagiert hat. Und die Störenfriede haben den Streit begonnen. Hier sind 9 Gefahren, die eine Ehe wirklich bedrohen:

1. Wir heiraten einen Menschen, weil wir mögen, wer er ist. Menschen verändern sich. Planen Sie das ein. Heiraten Sie jemanden nicht für das, was er ist oder was er Ihrer Ansicht nach werden soll.

Heiraten Sie einen Menschen für das, was er werden möchte. Und dann verbringen Sie ihr Leben damit, ihn dabei zu unterstützen. Genau wie Ihr Partner oder Ihre Partnerin Sie in Ihren Vorhaben unterstützt.

2. Die Ehe nimmt Ihnen nicht die Einsamkeit. Am Leben zu sein, heißt, allein zu sein. Alleinsein ist ein menschlicher Zustand. Eine Ehe kann den menschlichen Zustand nicht ändern. Sie kann uns das Alleinsein nicht vollständig nehmen. Und wenn das der Fall ist, beschuldigen wir unseren Partner, etwas falsch gemacht zu haben oder wir suchen anderswo nach Gesellschaft.

Die Ehe sollte ein Ort sein, an dem zwei Menschen die Erfahrung teilen, allein zu sein und durch diese Erfahrung Momente entstehen lassen, in denen die Einsamkeit verschwindet. Für eine kleine Weile.

3. Scham-Gepäck. Ja, wir tragen es alle mit uns herum. Wir haben den Großteil unserer Jugend und des frühen Erwachsenenalters damit verbracht, so zu tun, als ob unser Schamgefühl nicht existiert. Und wenn die Person, die wir lieben, es in uns auslöst, geben wir ihr die Schuld daran, es geschaffen zu haben.

Und dann erwarten wir, dass sie es in Ordnung bringt. Aber die Wahrheit ist, dass sie es nicht erschaffen hat und es auch nicht in Ordnung bringen kann. Manchmal ist die beste Ehe-Therapie eine individuelle Therapie, in der wir daran arbeiten, unser eigenes Schamgefühl zu heilen. Dann können wir damit aufhören, es auf diejenigen abzuwälzen, die wir lieben.

4. Egoismus. Wir alle haben ihn entwickelt. Vermutlich irgendwann als wir in der vierten Klasse waren und die Kinder anfingen, gemein zu uns zu sein. Vielleicht auch schon eher, wenn Familienmitglieder zuerst gemein zu uns waren.

Das Ego war eine gute Sache. Es beschützte uns vor den emotionalen Schlingen und Spitzen. Aber jetzt, da wir erwachsen und verheiratet sind, ist das Ego eine Wand, die uns voneinander trennt. Es ist an der Zeit, sie einzureißen. Indem wir Offenheit statt Verteidigung, Versöhnlichkeit statt Vergeltung, Entschuldigung statt Tadel, Verletzlichkeit statt Stärke und Gnade statt Macht leben.

5. Das Leben ist chaotisch und die Ehe ist Leben. Die Ehe ist chaotisch. Aber wenn die Dinge nicht länger perfekt laufen, geben wir unserem Partner die Schuld daran. Wir fügen dem ohnehin schon unausweichlichem Chaos aus Leben und Liebe auch noch unnötiges Chaos hinzu. Wir müssen aufhören, mit dem Finger zu zeigen und damit anfangen, die Finger ineinander zu verschränken. Dann können wir gemeinsam durch das Chaos des Lebens gehen. Schuldlos und schamlos.

6. Empathie ist hart. Es ist nur natürlich, dass Empathie nicht gleichzeitig zwischen zwei Menschen geschehen kann. Ein Partner muss den ersten Schritt machen und es gibt keine Garantie dafür, dass die Empathie erwidert wird. Es ist ein Risiko. Es ist ein Opfer.

Deshalb warten die meisten von uns darauf, dass der Partner diesen ersten Schritt macht. Eine lebenslange Empathie-Sackgasse. Und wenn einer der Partner tatsächlich den Empathie-Sprung wagt, ist es in den meisten Fällen ein Bauchklatscher. Die Wahrheit ist, dass die Menschen, die wir lieben, fehlbare Menschen sind und nie der perfekte Spiegel sein werden, den wir uns wünschen. Können wir sie trotzdem lieben, indem wir selbst den Empathie-Sprung wagen?

7. Wir interessieren uns mehr für unsere Kinder als für denjenigen, der uns geholfen hat, sie zu machen. Unsere Kinder sollten uns nie wichtiger sein als unsere Ehe und sie sollten nie weniger wichtig sein.

Wenn sie wichtiger sind, werden die kleinen Schlingel es spüren und dazu benutzen, Keile zwischen die Eltern zu treiben. Wenn sie weniger wichtig sind, werden sie so lange kämpfen, bis man ihnen Prioritäten einräumt. In Familien geht es darum, konstant und beständig daran zu arbeiten, die Balance zu finden.

8. Der versteckte Machtkampf. Die meisten Ehe-Konflikte bestehen zumindest zum Teil aus Verhandlungen darüber, wie stark zwei Liebende vernetzt sind. Männer wollen normalerweise weniger davon. Frauen wollen normalerweise mehr. Manchmal sind diese Rollen umgekehrt.

Trotzdem, wenn Sie zwischen den Zeilen der meisten Auseinandersetzungen lesen, ist das die Frage, die Sie finden: Wer entscheidet darüber, wie viel Abstand es zwischen uns gibt? Wenn wir diese Frage nicht ausdrücklich stellen, werden wir bedingungslos darüber streiten. Für immer.

9. Wir wissen nicht mehr, wie wir das Interesse an einem Menschen oder einer Sache beibehalten können. Wir leben in einer Welt, die unsere Aufmerksamkeit in eine Million unterschiedliche Richtungen lenkt. Die Praxis der Meditation - auf eine Sache achtgeben und unsere Aufmerksamkeit wieder und wieder darauf zurücklenken, wenn wir abgelenkt werden - ist eine essentielle Kunst.

Wir werden ständig dazu ermuntert, den glänzenden Oberflächen von Dingen Aufmerksamkeit zu schenken und weiterzuziehen, sobald wir ein wenig gelangweilt sind. Deshalb ist es ein revolutionärer Akt, wenn wir es schaffen, unser Leben zu einer Meditation um die Person zu machen, die wir lieben. Und es ist absolut notwendig, wenn eine Ehe überleben und gedeihen soll.

Als Therapeut kann ich einem Paar innerhalb von einer Stunde Kommunikation beibringen. Es ist nicht kompliziert. Aber sich mit den Störenfrieden auseinanderzusetzen, die den Streit angefangen haben? Nun ja, das dauert ein Leben lang.

Und dennoch.

Es ist eine ganze Lebenszeit, die uns zu Menschen formt, die immer mehr Liebe schenken können. Die das Gewicht des Alleinseins tragen können. Die das Gewicht der Scham reduziert haben. Die Wände eingerissen haben, um Brücken zu bauen. Die das Chaos des Lebens begrüßt haben, die Empathie riskieren und Enttäuschungen vergeben. Die jeden mit derselben Leidenschaft lieben. Die geben und nehmen und Kompromisse eingehen und die sich einer Lebenszeit voller Präsenz und Bewusstheit und Achtsamkeit verschrieben haben.

Und das ist ein Leben, für das es sich zu kämpfen lohnt.

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Robert Gwisdek

Blogbeitrag vom  08. April 2014 "Robert Gwisdek -Vertreter einer neuen männlichen Generation"

Letzten Sonntag schickte mir eine sehr geschätzte Person den link zu einem Video.

Zu sehen ist ein Interview mit Robert Gwisdek, Sohn der Schauspieler Michael Gwisdek und Corinna Harfouch, selbst Schauspieler, Musiker, Kurzfilmemacher, Lyriker und nun auch Schriftsteller. Im Interview geht es um sein Buch "Der unsichtbare Apfel" und Igor, der Hauptfigur, die in einem Selbstversuch durch Isolation, Dunkelheit und Geräuschlosigkeit den eigenen Geist an Nichtinformation zerschellen lassen will , damit er aufhört Formen zu bauen und sich hingibt.

 

Interessant für mich wird es gegen Ende des Interviews.

 

Robert Gwisdek auf die Frage "Kreist denn jeder Mensch vor allem um sich selbst?"

Ich finde unsere Generation hat geradezu die Pflicht sich mit sich selbst zu beschäftigen, weil die ganzen Generationen davor keine Zeit hatten und wir dieses Privileg haben die Ressourcen dafür zu haben.Wenn alle Menschen so darüber schimpfen, oder viele, wir leben in einer Gesellschaft, jeder therapiert sich selbst und macht tausend Selbsthilfekurse, das sind alles so Weicheier und Depression und Schnickschack und früher war man viel praktischer veranlagt, ich finde da übersieht man den Kontext, aus dem jede einzelne Generation kommt. Meine Großeltern haben zwei Weltkriege überlebt, da gibts nix mit Depression, da wirst du ausgelacht für, und dann gibts die erste Generation, die 68-er, die natürlich im Gegensatz zu unserer Generation viel konkreter aussieht, von außen viel tatkräftiger, dass sie jetzt wirklich einen gesellschaftlichen Wandel herbeiführen will, aber das hängt auch damit zusammen, dass sie die erste - ähm - so radikal wie die sich von ihrer Elterngeneration abgewendet haben, das müssen wir nicht mehr machen. Denn das sind unsere Eltern, ein Stück weit, wir können quasi mit unseren Eltern in einem freundschaftlichen Bund stehen bleiben und versuchen einen neuen Schritt zu machen und dieser wirklich neue Schritt erfordert so viel Aufräumarbeit, psychologisches Aufräumen, Wegschmeißen jahrtausendalter merkwürdiger Strukturen, die wir, glaube ich, auch mitnehmen, wenn wir geboren werden, ohne dass wir dafür viel Input brauchen. Das ist in unseren Zellen, wie viel Schmerz da gespeichert ist. Und deswegen habe ich nichts dagegen, wenn wir jetzt mal zwei- drei Generationen lang Leute sind, die depressiv in der Ecke sitzen und sagen "Ich brauche eine Therapie und ich habe Burn-out-Syndrom", bis sich das alles mal regeneriert, weil der Mensch hat eine krasse Geschichte hinter sich. 2000 Jahre lang, länger war das nur Angst, nur Angst, Angst Angst Angst Angst ...

 

Das ist die Beschreibung einer gefühlten transgenerationalen Traumatisierung.

Robert Gwisdek ist 30 Jahre alt und gehört, für mich, zu einer neuen Generation von jungen Männern, die einen anderen, einen neuen Weg suchen.

Über sich selbst sagt er:

Nichtstun ist wirklich eines meiner hartnäckigsten Hobbies, konzentriertes Nichtstun, Meditation sozusagen. Es ist wirklich sehr spannend -radikales Nichtsmachen.

Trotz all des konzentrierten Nichtstun tut es ihm gut sehr unterschiedliche Dinge zu tun und zu untersuchen. Seine Kreativität entsteht aus der Stille.

 

Kommentar von gerhardtaro (lädt Videos auf youtube hoch) "nichts tun, um dann hochleistungen zu vollbringen. das lässt unsere kultur alt aussehen. ich vermute, ich weiß, er hat recht."

 

Kommentator des eingestellten Videos "Robert Gwisdek ist besessen von der Erkundung des Universums und unserer Existenz. Ihn bewegen die Fragen - Was ist Realität? Was ist Existenz?"

 

Zu meiner Generation wurde gesagt "Aus der Langeweile gebiert sich die Kreativität". Langeweile ist ein passiver Zustand und in der Langeweile entsteht die Frage "Was könnte ich tun, um mich nicht mehr zu langweilen?". 

Was gebiert sich aus aktivem Nichtstun ohne die Frage, was getan werden könnte?

Was geht aus einer Generation hervor, die sich in der Pflicht zur Depression sieht? 

Tut diese Generation, die augenscheinlich nicht viel tut, viel mehr als ersichtlich ist?

 

Tut diese Generation durch Nichtstun etwas, was die vorherigen Generationen vor lauter Tun nicht tun konnten?

 

Nachdem mein Mann gestern diesen Beitrag gelesen hatte, meinte er, ihm würde ein Abschluss fehlen.

Ich habe diesmal keinen Abschluss, ich habe auch keine Antworten auf meine gestellten Fragen. Ich weiß nur, dass eine Veränderung stattfindet, es ist mehr ein gefühltes Wissen. Und ich fühle, dass diese Veränderung anders ist als das, was ich bisher kenne. Sie basiert nicht auf Aktionismus, wie wir das seit Generationen gewohnt sind. "Schaffe, schaffe, Häusle baue" ist vorbei. Sie basiert auch nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, denn auch die Wissenschaft befindet sich oft auf dem aktuellen Stand des neuesten Irrtums. Aktionismus, Materialismus, rein logische Erkenntnisse - daran haben wir lange genug geglaubt. Es braucht etwas Neues, etwas das noch nicht gelebt wurde. Etwas, das Pioniere braucht, die zeigen, dass es machbar ist. Es braucht immer Pioniere mit einer Vision, die sich nicht von Bedenkenträgerei abbringen lassen. Die einfach ihren Schritt gehen, damit der nächste den weiteren Schritt gehen kann. Heute vielleicht in eine Richtung, die (noch) unmöglich scheint. Ich persönlich habe mich entschieden aufzuhören zu jammern über das Wetter, Ungerechtigkeit und das Leben allgemein (ich bin in Übung). Ich möchte meinen Blick dorthin richten, wo etwas Neues entsteht. Es braucht eine Veränderung, wir brauchen Veränderung. Menschtum statt Eigentum. Ich bin dabei. Und versuche jeden Tag meinen Horizont ein bisschen weiter zu schieben. Weg von einengenden Gedanken, Überzeugungen, Vorurteilen. Hin zu mehr Offenheit, Toleranz, Akzeptanz. Das ist ein gutes Stück Arbeit. Ich denke es ist es wert.

 

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ZDF aspekte Interview mit Robert Gwisdek

 

ZDF aspekte - Über Robert Gwisdek

 

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Ähnlicher Blogbeitrag "Neue Männer braucht das Land oder Sind Männer die neuen Opfer der Gesellschaft?"

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Christiane und Alexander Sautter

Christiane und Alexander Sautter sehen sich in ihrer Arbeit als Therapeuten als Friedensstifter. Jedes geheilte Trauma bedeutet einen Schritt in den Frieden.

Auf ihrer Homepage schreiben Sie folgende Überzeugung:

In Deutschland gibt es verschiedene gute Praxen, Kliniken und Institute, die traumatisierte Menschen bei der Heilung unterstützen. Die meisten kümmern sich um die Opfer von großen Katastrophen, von Krieg und Folter, Gewaltverbrechen, Terrorismus, Entführungen, Unfällen und Naturkatastrophen. Andere betreuen Menschen, die Schicksalsschläge erlitten oder sich in der Pflege schwer kranker Familienangehöriger körperlich und seelisch erschöpften.
Uns fiel bei unserer Arbeit mit Klienten jedoch immer wieder auf, dass die Traumata, die täglich in Familien und dem näheren Umfeld sozusagen „ganz normal“ passieren, häufig übersehen werden. Die Symptome, die auf Grund der sogenannten „Beziehungstraumata“ entstehen, werden oftmals nicht richtig zugeordnet, und der Klient erhält die Diagnose „Persönlichkeitsstörung“.
Beziehungstraumata sind jedoch nicht nur die Ursache psychischer Probleme. Wie wir erst kürzlich auf dem Symposium „Menschwerdung“, das von 25. – 26. November in Lindau stattfand, bei dem Vortrag von Professor Dr. Alexander Trost erfuhren, ergab eine Studie US-amerikanischer Versicherungen, dass es einen deutlichen Zusammenhang zwischen einer traumatischen Kindheit und bestimmten körperlichen Erkrankungen gibt.
Durch die moderne Hirnforschung haben wir gesicherte Daten darüber, was Traumata anrichten. Kleinkinder sind besonders verletzlich. Wenn im ersten Lebensjahr bestimmte Impulse nicht oder zu stark kommen, wird die Hirnentwicklung irreversibel geschädigt. Diese Kinder haben einen niedrigeren Intelligenzquotienten, feinere Gefühle wie Mitgefühl können nicht empfunden werden. Straftäter mit einer solchen Schädigung des Gehirns können nicht resozialisiert werden, weil sie gar nicht über die Fähigkeit zur Einsicht verfügen!
Das Wissen um Trauma, seine Entstehung und die Möglichkeiten der Heilung dürfen deshalb nicht nur als persönliches Problem der Betroffenen verstanden werden. Wenn wir die Lebensbedingungen der Kinder anschauen, die sich als Selbstmordattentäter in die Luft sprengen oder die in Frankreich Autos anzünden, müsste Politikern, Führungskräften und Ärzten usw. eigentlich die politische Tragweite einer Traumatisierung der Kinder klar werden. Kriege und soziale Unruhen werden wir in Zukunft nicht durch strengere Gesetze und „intelligente“ Waffen (die noch mehr Trauma verursachen) verhindern können, ganz zu schweigen von explodierenden Kosten im Sozial- und Gesundheitswesen.
Nur ein fundiertes Wissen um Trauma und seine Auswirkungen und um die Möglichkeiten, die Verletzung der Seele zu heilen, wird uns dauerhaft Frieden bescheren. In der Bergpredigt, der zentralen Botschaft des Christentums, sagt Jesus: „Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben... Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden... Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden“ (Matt. 5, 5-9). In diesem Sinne sehen wir unsere Aufgabe, Menschen liebevoll bei der Heilung ihrer seelischen Wunden zu unterstützen, als einen spirituellen Auftrag, als die praktische Umsetzung der christlichen Botschaft. Jeder, der sich dieser Aufgabe verschreibt, wird darüber hinaus seinen Beitrag für den Weltfrieden leisten, denn jeder Mensch, der sein Trauma geheilt hat, ist ein friedliebender Mensch, der zutiefst erfahren hat, dass Gewalt, Abwertung und Misshandlung keine Zukunft haben.
In jedem von uns existiert ein unverletzbar heiler Kern, dem nichts etwas anhaben kann. Die Symptome und die Überlebensmuster sind Trabanten, die um diesen Kern kreisen. Es gilt, diese Trabanten zu erkennen, das Wertvolle zu achten, das Veraltete umzugestalten und daraus ein neues Bild zu komponieren, in dem Selbstwert, Lebensfreude und Vertrauen wieder die Hauptrolle spielen dürfen. Dies zusammen mit unseren Klienten anzustreben ist unser erklärtes Ziel.
Zum Wohle aller Wesen!

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